Der WIDERHAKEN
Worte, Worte, nichts als Worte ...
... Stellen Sie sich einmal vor, liebe Leserinnen und Leser,
(Glosse 2/12)
Ihre Lieblings-Pizzeria – und etliche andere Pizzerien natürlich auch – würden unter mafiösen Schutzgeld-Forderungen leiden. Wäre das dann eine „Spaghetti-Erpressung“? Oder die online-Bestellung bei Ihrer Pommesbude von nebenan würde permanent, aus welchen Gründen auch immer, manipuliert. Dürfte man da vom „Currywurst-Hacking“ sprechen? Oder haben gar die Rating-Agenturen, die Griechenland in den tiefsten Keller der Nichtkreditwürdigkeit herabgestuft haben, einen symbolischen „Gyros-Mord“ begangen? Klar, das alles geht auf gar keinen Fall, und der „Gesellschaft für deutsche Sprache“ sei Dank ist ja nun auch der „Döner-Mord“ zum Unwort des Jahres 2011 gekürt worden. Wenn Sie sich aber nicht nur das „Unwort“, sondern auch die Liste der „Wörter des Jahres 2011“ anschauen, gibt es interessante Entdeckungen zu machen. Früher hätte ich einem Schüler, der in der Klassenarbeit zu mogeln versucht, immer gesagt: „Hör auf abzuschreiben!“ Völlig out seit 2011! Heute heißt es: „Hör auf zu guttenbergen!“ (Platz 7 der Liste!) Und der Schüler versteht genau, dass Abschreiben böse ist, erst recht, wenn er nicht kenntlich macht, welche Passagen seiner Arbeit er vom rechten oder linken Nachbarn übernommen hat. Wenn ich ihn dann also beim Guttenbergen erwische, er aber nur zögerlich und scheibchenweise mit der Wahrheit herausrückt, fordere ich ihn unmissverständlich auf, nicht zu wulffen. Und wenn er mir dann, damit ich ein Auge zudrücke, weil es ja schließlich ums Abitur geht, einen Gratis-Urlaub auf der Finca seiner schwerreichen Eltern auf Malle anbietet, weise ich ihn glasklar darauf hin, dass glaesekern bei mir zwecklos ist. Der unschlagbare Platz 1 der Liste ist jedoch das Wort „Stresstest“ in der Bedeutung „Test für die Belastbarkeit der Banken“, gefolgt von Platz 2, „hebeln“, die Soft-Variante vom „stemmen“, in der Bedeutung des Sich-Bemühens um die finanzielle Rettung einzelner Eurostaaten. Sichtlich bemüht haben sich darum insbesondere zwei Staatschefs, nämlich die „Merkozy“ (Platz 4 der Liste). Aber das Wort stammt wohl noch aus der Zeit, bevor Frankreich abgeratet wurde. Was ist da eigentlich passiert in unserem Nachbarstaat? Wurden die französischen Banken keinem Stresstest unterzogen? Oder hat Sarkozy etwa nicht intensiv genug gehebelt? Oder haben zu viele französische Politiker geguttenbergt, gewulfft oder geglaesekert? Und die Bundesrepublik, fast allein mit ihrem Tripple A? Hoffentlich wird hier nicht zu viel gemerkelt und geröslert.
Einen schönen Februar wünscht
Ihr Uwe Depping
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